Ideen und Anleitungen

„Da ist es!“ Akustische Spiele zum erlernen, dass mit Klicksonar Objekte gefunden und erkannt werden können.

Mit dem Ziel der „selbstbestimmten Mobilität“ will Daniel Kishs Konzept sehr früh in der Entwicklung eines blinden Kindes vor allem das Interesse für die akustische und sensorische Umwelt stärken, um die Flexibilität des Gehirns zugunsten der Orientierungsfaktoren – insbesondere des Echobildes – zu nutzen. In Deutschland gibt es dafür noch keine Ausbildung – weder für O&M-Trainer noch für blinde Kinder.

In einem hervorragenden Aufsatz Daniel Kishs, publiziert von der NFB (National Federation of the Blind) für Orientierungs- und Mobilitätstrainer, über seine Erkenntnisse (vor allem die grundlegende Funktionsweise der weiterentwickelten akustischen Orientierung), können O+M Trainer und Eltern betroffener Kinder viele Anregungen mitnehmen.

Das Insight Magazine, Großbritannien, veröffentlichte den Artikel „Canes Mean Freedom“. Die Teile I und II des Artikels behandeln die kritische Notwendigkeit des frühen Stocktrainings für blinde Kinder, Kleinkinder und Vorschulkinder. Die theroretischen Rahmenbedingungen und einige Grundlagen der Heranführung werden umrissen.

Sehr hilfreich zur Wahrnehmungsförderung von Kleinkindern und Vorschülern ist ein Auszug aus einer Arbeit von Franz Nagel zu lesen „Orientierung und Mobilität – Auf dem Weg“ in Hinblick auf Wahrnehmungsschulung für Orientierung und Mobilität (1989). Der Artikel müsste im Absatz „Echolokation“ um Klicksonar, also selbst erzeugtes Klicken mit der Zunge, ergänzt werden.

Orientierung und Mobilität für Babys

Wussten Sie, dass es niemals zu früh ist, damit zu beginnen, Ihrem blinden Kind Orientierung und Mobilität beizubringen? Auch wenn Ihr Baby erst ein paar Monate alt ist und sich von alleine noch nirgendwohin bewegt. Fertigkeiten der Orientierung und Mobilität sind Schlüsselfaktoren für zukünftige Unabhängigkeit. Viele der grundlegenden Übungen sollten bereits im Säuglingsalter begonnen werden.

Nun fragen Sie sich vielleicht:

Was bedeutet Orientierung und Mobilität überhaupt?

Orientierung und Mobilität (meist abgekürzt als O&M) bedeutet eigentlich nur, dass blinde Menschen aktiv lernen müssen, wie sie sich unabhängig fortbewegen können. Orientierungsfertigkeiten helfen ihnen, herauszufinden wo sie sich befinden und Mobilitätsfertigkeiten helfen ihnen, sich fortzubewegen.

Wenn Ihr Baby nicht läuft (und es ist völlig normal dass blinde und sehbehinderte Kinder verspätet Krabbeln und Laufen) können Sie Ihrem Baby trotzdem schon helfen, seine Umwelt kennen zu lernen, indem Sie es dazu anregen, Hinweise wahrzunehmen, die ihm verraten wo es ist und was sich in seiner Nähe befindet. Sie können ihm vielleicht noch nicht beibringen, wie man mit einem Blindenstock läuft, aber sie können das Fundament für seine Orientierungsfertigkeiten jetzt schon legen.

Richtungen und Körperbewusstsein

Zu Beginn ist es grundlegend, mit Richtungen und Körperwahrnehmung anzufangen. Immer wenn Sie die Möglichkeit haben, benennen Sie Richtungen wie links, rechts, vor oder hinter. Gewöhnen Sie sich daran oft Dinge zu sagen wie „Dein Ball ist neben deinem rechten Knie“. Das ist besser als zu sagen „Dein Ball ist neben Dir“. Ihrem Kind Orientierungsfertigkeiten beizubringen bedeutet, dass Sie beide lernen müssen, wie sie richtig miteinander über Orientierung sprechen.

Anderes Sehen Hinweis

Ein wichtiger Hinweis für die Leser: Wir bemühen uns, Ihnen viele Tipps zu geben, wie Sie Ihr Kind gut fördern können. Bieten Sie Ihrem Kind durchaus alles an, darum geht es uns – aber drängen Sie es nicht! Jedes Kind hat seine eigene Reihenfolge und Geschwindigkeit Dinge anzunehmen und es gibt dafür keine Norm. Das gilt für Bücher, Braille, Laufen, Sprechen, Langstock und Klicksonar gleichermaßen. Und natürlich nimmt auch nicht jedes Kind alles an.

Für blinde Kleinkinder ist es sehr wichtig, sich selbst und den eigenen Körper kennen zu lernen. Spielen Sie Spiele, in denen sie Körperregionen benennen, singen Sie das Kinderlied „Kopf und Schulter, Knie und Fuß“ und benennen Sie Körperregionen wenn Sie ihr Baby baden. Orientierung fängt meist beim eigenen Körper an und dehnt sich nach und nach auf die Umwelt aus. Anders gesagt: Wenn Sie ein blindes Kind durch einen Raum navigieren, beziehen Sie sich zuerst auf seine Position (beweg dich geradeaus, dreh dich nach links etc.). Sagen Sie wo Dinge sich befinden, in Relation zu seinem eigenen Körper (die Tür ist links von Dir). Es würde keinen Sinn ergeben zu sagen „Die Tür ist da hinten“. Gleiches gilt auch für die Kommunikation mit blinden Erwachsenen. Richtungen und Körperregionen zu verstehen ist sehr wichtig für die Orientierung.

Wenn Ihr Kind Helligkeit wahrnehmen kann, nutzen Sie das beim Erklären von Richtungen. Weisen Sie es darauf hin, dass das offene Fenster rechts von ihm ist. Spielen Sie mit Taschenlampen, lassen Sie ihr Kind das Licht fangen oder darauf zeigen. Wenn es dadurch offene Türen oder Fenster erkennen, Lichtquellen finden oder beleuchtete Wege zu erkennen lernt, wird ihm das sehr helfen, wenn es beginnt sich eigenständig fortzubewegen.

Geräusche der Umwelt

Neben Richtungen und Licht spielen Geräusche eine wichtige Rolle bei der Orientierung. Bringen Sie Ihrem Baby bei, die auf der Straße vorbeifahrenden Autos aktiv wahrzunehmen, den Kühlschrank, der in der Küche summt oder den Fernseher, der im Wohnzimmer läuft. Weisen Sie es daraufhin, dass sich Geräusche die weiter weg sind leise oder dumpf anhören. Suchen Sie Geräusche in Ihrer Wohnung oder Ihrer Nachbarschaft (jeder Raum in Ihrer Wohnung hat möglicherweise einen eigenen Klang wie eine tickende Uhr oder eine tropfende Spüle). Achten Sie genau auf Geräusche, die Ihrem Kind möglicherweise helfen können, sich zu orientieren wenn es älter ist. Das können Ampelsignale oder Autohupen sein. Bringen Sie ihm auch gefährliche Geräusche bei, die es vermeiden sollte wie ein knurrender Hund oder ein rückwärts fahrender LKW.

Spiele, die Sie schon jetzt spielen können

Natürlich ist Ihr Kind im Moment noch ein Baby und reagiert am ehesten auf Spiele. Warum also nicht Orientierungsspiele spielen? Hier ein paar Anregungen von Eltern:

  • Hörspiel: Eins von Ivans Lieblingsspielen ist es, seine Bausteine zu werfen und zu hören, was sie treffen. Wir setzen ihn mitten ins Wohnzimmer mit einer Kiste voller Bausteine und umgeben von verschiedenen Zielen (eine Kekspackung, eine Spielzeug-Trommel, der Teppich, der geflieste Fußboden hinter ihm etc.). Er wirft Klötze in verschiedene Richtungen und wartet, um zu hören was sie treffen. Das hilft ihm, das Hinhören zu lernen und verschiedene Objekte an verschiedenen Orten um ihn herum und deren speziellen Klang zu identifizieren.
  • Stock-Spiel: Versuchen Sie zum ersten Geburtstag einen Kinderlangstock zu bekommen, auch wenn ihr Kind bis jetzt noch gar nicht laufen kann. Wir denken, dass es sehr wichtig ist, ihr Kind bereits jetzt mit diesem Objekt vertraut zu machen, welches später so wichtig für seine Unabhängigkeit sein wird. Sie können damit anfangen ihm zu zeigen, dass Stöcke unterschiedliche Geräusche machen und sich in der Hand unterschiedlich anfühlen, wenn man unterschiedliche Objekte damit berührt. Setzen Sie ihr Baby in Ihren Schoß und halten Sie zusammen mit ihm den Stock während sie Teppich, Fliesen, Holz, Plastik oder andere Oberflächen antippen. Beschreiben Sie dabei die Unterschiede des Geräusches und Gefühls.
  • Oberflächen-Spiel: Um zu verstehen, was sich um einen herum befindet ist es auch hilfreich, verschiedene Oberflächen mit der Hand zu berühren. Gehen Sie mit Ihrem Baby in Ihrer Nachbarschaft spazieren und lassen sie es alles anfassen und beschreiben Sie die Objekte dabei. Manche blinden Babys reagieren negativ auf bestimmte Oberflächenstrukturen wie klebrige oder zähe Materialien. Wenn Sie dieses Phänomen beobachten packen Sie alle klebrigen Dinge die ihr Kind nicht gern anfasst in eine „Kleb-Kiste“. Versuchen Sie ein paar Mal in der Woche mit Ihrem Kind mit dieser Kiste zu spielen um es zu desensibilisieren. Um ihm zu zeigen, dass fühlen nicht an der Hand aufhört lassen Sie es unbedingt auch seinen Fuß in die Kiste stecken!
  • Zeig-Spiel: Ein anderes schönes Orientierungsspiel ist es, auf Dinge zu zeigen, die an Ihnen beiden vorbeiziehen wie ein Auto auf der Straße. Sie können dabei die Augen schließen um mitzumachen.

Haben Sie beide Spaß, während Sie Ihrem Baby beibringen, Aufmerksamkeit für seine Umwelt zu entwickeln. Diese einfachen Spiele können Ihr Kind motivieren, sich unabhängig zu bewegen. Zudem wird das spätere Training in Orientierung und Mobilität (O&M) für Ihr Kind dadurch einfacher sein und ihm vertraut vorkommen.

Erste Tipps für akustische Wahrnehmungsförderung von Daniel Kish:

Hinsichtlich der Förderung von Klicksonar kann ich Ihnen vier Vorschläge machen, mit denen Sie sofort anfangen können:

  1. Versuchen Sie das Kind für Behälterspiele zu interessieren. Suchen Sie im Haushalt einige verschiedenartige Behälter zusammen. Verschiedene Größen, Formen und Materialien. Spielen Sie mit ihm. Motivieren Sie Ihr Kind verschiedene Dinge in die Behälter zu legen um zu hören, welche verschiedenen Geräusche sie darin erzeugen. Singen Sie oder machen Sie andere Geräusche in die Behälter und finden Sie gemeinsam heraus, wie das in jedem unterschiedlich klingt. Wenn es Interesse zeigt, halten Sie einen Behälter mit der offenen Seite zu ihm gedreht neben es und gestalten Sie das Finden des Behälters als Spiel. Das Kind macht einen Ton (zB Schhhhht …) und hört dabei wo der Behälter ist. Erst nah, dann weiter weg.
  2. Tragen Sie Ihr Kind von Raum zu Raum und lassen lauschen Sie gemeinsam auf die akkustischen Eigenschaften jedes Raumes. Das funktioniert am besten in der Mitte des Raumes. Lassen Sie ihr Kind einen Namen für den Raum finden – egal, welchen, er sollte nur konsistent benutzt werden.
  3. Auch in allen anderen Räumen die sie gemeinsam betreten, fragen Sie Ihr Kind ob der Raum groß oder klein ist oder ob der Raum ähnlich klingt wie ein anderer Raum das es kennt.
  4. Tun Sie möglichst viel, um Ihr Kind zum Klettern zu ermutigen. Klettern ist eine großartige Betätigung für den gesamten Körper. Manche Kinder, die nicht aufwärts klettern, klettern gern abwärts – manche mit etwas Unterstützung.
  5. Vielleicht können Sie Ihr Kind für das Krabbeln in und unter Dinge interessieren. Unter Tische, Betten oder in Schränke zum Beispiel. Beobachten und Fördern Sie das Experimentieren mit den akustischen Gegebenheiten dort.

Lucas Murray wird hier beim Anwenden der Klicksonar-Technik gezeigt, aber es werden auch typische Übungen mit Gegenständen gezeigt (groß/klein, hart/weich), die man sehr leicht mit seinem Kind nachmachen und vielfältig variieren sollte (Entfernung, Material, Position). Dies sind nur die zwei einfachsten Grundübungen:

Weitere Informationen

Genaue Anleitungen, Erfahrungen, Spielideen und altersgerechte Stufen der Ausbildung (engl.) hat Daniel Kish in hunderten von Trainings aufgebaut und stellt sie Interessierten zur Verfügung.

Selbstsicherheit

Zeigen Sie Ihrem Kind nie: „Das kannst Du nicht …“ – Ermutigen Sie es stattdessen ohne Hilfe zu klettern, allein zu gehen und zu rennen, selbst zu essen, oder gar Laufrad zu fahren! Lesen Sie mehr …

 

Die größte deutsche Wissenssammlung zu Klicksonar:

2 Kommentare zu Ideen und Anleitungen

  1. Familie sagt:

    Hallo, wir haben einen neun Monate alten Sohn. Wir würden gerne wissen, ab wann könnte unser Kind das Klicksonar erlernen, wo und mit welchen Kosten ist es verbunden? Über eine Antwort würden wir uns sehr freuen, damit wir unser Kind so früh wie möglich fördern können.

    • Steffen Zimmermann sagt:

      Sie können jederzeit anfangen! Viele Tipps finden Sie auf unserer Website. Anfangen mit einem Kleinkind bedeutet auf keinen Fall Unterricht, sondern dass Sie als Eltern und andere Kontaktpersonen Ihrem Kind Freude und Interesse am akustischen Umfeld vermitteln. „Hör‘ mal, wie schön / interessant / leer / weich / hart dieser Raum / Gegenstand klingt“ und Sie klicken leise mit der Zunge. Alles was das Kind hört soll es anfassen und alles was es anfasst soll es hören. Sie beschreiben dazu den Gegenstand und seine Bedeutung und Zusammenhänge ausführlich!

      Mehr ist in den nächsten 12 Monaten weder nötig noch möglich. Das Kind wird fast allein dadurch aufmerksam und ahmt Ihre Klicklaute irgendwann nach um Informationen zu erhalten. Kaufen Sie viele Instrumente und Klangwerkzeuge. Freude und Interesse zu vermitteln ist das A und O. Alles soll ein Spiel sein, kein Zwang, kein Unterricht, nicht übertreiben.

      Mit freundlichen Grüßen
      Steffen Zimmermann

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