Chancengleichheit erreichen

Ein blindes Kind lernt genau wie ein sehendes die Welt kennen und sich selbst zu bewegen wenn es einen Stock hat.

Ein blindes Kind lernt genau wie ein sehendes die Welt kennen und sich selbst zu bewegen – wenn es einen kindgerechten Langstock hat.

Blinde und sehbehinderte Kinder müssen all das lernen oder verstehen, was auch ihre Altersgenossen lernen und tun. Das ist die Voraussetzung, damit sie nicht hinterherhinken und zu einem späteren Zeitpunkt – zum Beispiel bei Schuleintritt – überfordert werden.

Im schlimmsten Fall kommt, wie leider oft üblich, ganz ohne begründete Notwendigkeit, alles beim Schuleintritt zusammen: Erster Kontakt mit dem Blindenstock, Orientierungs- und Mobilitätstraining, der erste Kontakt mit Brailleschrift, das erste Mal etwas selbst erarbeiten müssen. Und das alles neben der ganz „normalen“ Eingewöhnung im ersten Schuljahr, die auch die sehenden Kinder haben!

Dabei könnte alles viel „normaler“ und für das blinde Kind einfacher laufen. Es muss die Dinge zum gleichen Zeitpunkt lernen oder erfahren, wie die Sehenden. Das ist eine der vielen Voraussetzungen für Inklusion:

  • Das Nutzen von Klicksonar sollte schon in den ersten Jahren vorgelebt werden (dann, wenn die anderen Kinder das Sehen lernen). Die Erkenntnis des Nutzens kommt von allein, da das Kind die Echos auch von anderen nutzen kann und über Nachahmung lernt selbst zu klicken.
  • Kontakt mit dem Blindenstock sollte möglichst vor dem Laufen lernen stattfinden.
  • Altersgerecht modifiziertes Orientierungs- und Mobilitätstraining mit drei und mit vier Jahren, weil ein Kind sich gern selbständig bewegen möchte.
  • Der erste Kontakt mit Brailleschrift ab dem zweiten Lebensjahr (das bedeutet nicht Unterricht). So wie jedes sehende Kind jeden Tag und jede Minute Schrift sieht ohne sie lesen zu können und allmählich die Idee versteht – am Ende sogar schreiben lernt, so kann es das blinde Kind auch.
  • Kindgerechtes LPF-Training nach Bedarf mit drei, vier und fünf Jahren, weil es hier, wie andere Kinder auch Essen möchte, sich selbst anziehen möchte und mithelfen möchte.
  • Das erste Mal etwas selbst erarbeiten dürfen kann altersbedingt spielerisch ab dem dritten Jahr beginnen. Dazu eignen sich die gleichen Rollenspiele, die sehende Kinder machen.

Inklusion? Wie stehen wir dazu?

Wir glauben an die Inklusion als gesellschaftliches Modell. Wir glauben nicht, dass es gut ist, Menschen in Situationen zu bringen, in denen sie Unterstützung brauchen, aber nicht unterstützt oder gar allein gelassen werden. Wir glauben, dass einigermaßen nahtlose Inklusion möglich ist, wenn die beteiligten Personen sie als selbstverständlich sehen und im menschlichen, fachlichen, technischen oder finanziellen Bereich offen sind. Je nach Situation oder Bereich über den man hier spricht. Inklusion betrifft jeden einzelnen in der Gesellschaft und es ist klar, dass nicht jeder mitspielen wird. Inklusion wird immer wieder an Grenzen stoßen und die vollständige Inklusion ist eine Utopie. Aber wir kommen schon viel weiter, wenn wir aufhören, Behinderte zu bemitleiden, zu bewundern, auszuschließen, zu unterschätzen oder zu behindern. Das gilt auch für Behörden, Krankenkassen, Schulen, Arbeitgeber, Vereine, Parteien, Freundeskreise, Dich und mich. Als eines der reichsten Länder der Welt haben wir die Möglichkeit, alle zusammenzuhalten und alle mitzunehmen, keinen zurückzulassen.

»Inklusion ist kein Ziel, sondern ein Prozess. Und zwar der Prozess der Annahme und Bewältigung von menschlicher Vielfalt.« Raúl Krauthausen

»Inklusion ist ein Menschenrecht und die moderne Form von Gleichheit.« Prof. Dr. Theresia Degener, Vorstandsmitglied im UN-Ausschuss

»Inklusion ist zuallererst eine Haltung.« Norbert Hocke, Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

»Blindheit sollte von Blinden wie auch Sehenden als nichts weiter als eine Unbequemlichkeit verstanden werden.« Daniel Kish

»Inklusion ist in beide Richtungen zu denken und nicht immer nur aus dem Defizit heraus.« Raúl Krauthausen

»Inklusion vergrößert bei allen Menschen das Repertoire an Verhaltensweisen und Kompetenzen, macht den Einzelnen, seine Gruppe, die ganze Gesellschaft über Schwierigkeiten hinweg stärker.« Beate Krol, Journalistin

»Inklusion ist für mich die Grundforderung, wenn wir über gesellschaftliche Teilhabe reden.«
Das müsse unbedingt schon in Kindergarten und Schule beginnen, sagt Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen

»Körperliche Behinderungen sind Teil unseres Lebens!« Ellen Schweizer

3 Kommentare zu Chancengleichheit erreichen

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