Braille-Lesen: Neue Studie offenbart die Tatsachen

Nicht immer gibt es Überraschungen, wenn eine Studie veröffentlicht wird. Doch in diesem Fall haben uns manche Ergebnisse überrascht und werden in unsere Arbeit einfließen. 190 Teilnehmer ab der vierten Klasse bis zu Erwachsenen wurden befragt und getestet. Im Vergleich mit sehenden Lesern und Schreibenden kann man auch Unterschiede sehen – oder eben auch nicht.

Die Studie wurde unter der Leitung von Ursula Hofer und Markus Lang erarbeitet.

Ergebnisse aus der zweiten Erhebung:

  1. Leseflüssigkeit und Lesegeschwindigkeit
  2. Hörgeschwindigkeit
  3. Leseverständnis und Hörverständnis
  4. Braillesysteme und mediale Angebote
  5. Rechtschreiben

Grundsätzlich: Brailleleser lesen langsamer als sehende Schwarzschiftleser. In der 4. Klasse bis zu Erwachsenen kann man von etwa 35% der Lesegeschwindigkeit ausgehen. Der Abstand wird mit zunehmendem Alter größer. Das betrifft die Leseflüssigkeit und die Lesegeschwindigkeit gleichermaßen. Der Mittelwert Leseflüssigkeit liegt bei 20 bis 40 Worte pro Minute und die schnellsten liegen bei 50 bis 67. Die Lesegeschwindigkeit liegt bei den schnellsten im Bereich 90 bis 128 WpM. Dies ist übrigens das wissenschaftlich begründbare Maß für den Nachteilausgleich in der Schule und im Studium (z.B. Zeitverlängerungen, zusätzliche Übungsangebote). Nebenbei kam heraus, dass das beliebteste Medium zum Lesen das Papier ist und die Vollschrift bevorzugt wird. Je früher mit der Brailleleseförderung begonnen wird, desto höhere Lesegeschwindigkeiten werden erreicht. Bei dual Lesenden sollte Braille so früh wie möglich eingeführt werden. Auch effizientes und effektives Texthören ist eine bedeutsame Kompetenz. Diese Kompetenz muss gezielt und individuell gefördert werden.

Stichwortartig verkürzt, das was wir am wichtigsten finden

Erkenntnisse:

  1. Lesen, Lesen, Lesen! Die Übung beim Lesen erhöht den Fluss, die Geschwindigkeit und das Textverständnis.
  2. Für akademischen Lernstoff, der in größeren Mengen schnell aufgenommen und verarbeitet werden muss, eignet sich das Hörbuch und die Audioausgabe des Screenreaders durchaus.
  3. Lesen, Lesen, Lesen! Lesen erhöht die Voraussetzung für korrekte Rechtschreibung. Zu wenig Lesen wirkt sich darauf negativ aus.
  4. Schreiben verbessert ebenso die Rechtschreibung. Zu wenig Schreiben wirkt sich darauf negativ aus. Anwendung softwareseitiger Rechtschreibkorrektur sollte gelernt und angewendet werden.
  5. Wenn die Rechtschreibung erstmal verstanden ist, wirkt sich die Anwendung von Kurzschrift oder der Verzicht auf Großschreibung nicht signifikant auf die Rechtschreibfähigkeiten aus.
  6. Die Wahl des Systems wirkt sich aber ganz wesentlich auf die Geschwindigkeit aus. Geübte Kurzschriftleser lesen doppelt so schnell wie Vollschriftleser. Die Geschwindigkeit wird im Schulalter entwickelt. Danach gibt es kaum Verbesserungen mehr.
  7. Flüssiges Lesen ist auch Voraussetzung für Textverständnis. Es hat also einen wichtigen Nebeneffekt für das Lernen. Wer flüssig und schnell liest, versteht besser was er liest, da das Gehirn nicht mit Lesen beschäftigt ist.

Quelle: Pädagogische Hochschule Heidelberg

Projektteam

Projektleitung

Prof. Dr. Markus Lang
Pädagogische Hochschule Heidelberg / Blinden- und Sehbehindertenpädagogik

Prof. Dr. Ursula Hofer
Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik Zürich / Studiengang Sonderpädagogik / Vertiefung Schulische Heilpädagogik / Pädagogik für Sehbehinderte und Blinde

Projektmitarbeitende

Fabian Winter
Pädagogische Hochschule Heidelberg

Martina Schweizer
Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik

Annette Hallenberger
Landesförderzentrum Sehen Schleswig

Frank Laemers
Pädagogische Hochschule Heidelberg

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2 Kommentare zu Braille-Lesen: Neue Studie offenbart die Tatsachen

  1. Barbara Käsmann-Kellner sagt:

    Danke für die interessante Studienzusammenfassung!!

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